Die Waldorfpädagogik
 
Was sind Waldorfschulen?
Die Waldorfschulen (auch Rudolf-Steiner-Schulen genannt) sind einheitliche Grund- und Höhere Schulen, deren Pädagogik auf der Menschenkunde Rudolf Steiners beruht. Dies gilt auch für die Waldorf-kindergärten. Unser Waldorfkinder-garten zog 1999 auf das Schulgelände um.
Ziel der Schulen ist es Jungen und Mädchen gemeinsam ohne Sonderung nach sozialer Herkunft und ohne Aus-lese nach Begabung zu individueller Selbständigkeit und sozialer Verant-wortung zu führen.
Die Waldorfschulen sind frei von politischen, konfessionellen und wirtschaftlichen Einflüssen. Die Erhaltung dieses pädagogischen Freiraums ist die Grundbedingung ihrer Existenz.
Waldorfschulen werden ohne Direktor vom Kollegium verwaltet. Dieses trifft sich in wöchentlichen Konferenzen,
um pädagogische und administrative Fragen zu beraten.
Im Bund der Freien Waldorfschulen haben sich die Waldorfschulen auf überregionaler Ebene zusammen geschlossen. Die erste Waldorfschule wurde im September 1919 in Stuttgart für die Arbeiterkinder der "Waldorf-Astoria-Zigarettenfabrik" eröffnet. Der Firmendirektor, Emil Molt, beauftragte Rudolf Steiner mit der Schulleitung, die dieser bis zu seinem Tod 1925 inne hatte. Bis 1931 wurden 18 Waldorf-schulen gegründet, davon 8 in Deutschland. Unter dem Nationalsozialismus wurden die Schulen verboten und zahlreiche Lehrer inhaftiert. Nach 1945 setzte eine stürmische Entwicklung ein. Weltweit gibt es derzeit (2007) mehr als 1000 Schulen, davon in Deutschland 208 mit ca. 80.000 Schülern (Statistik).
 
Grundzüge der Waldorfpädagogik
Aus der Menschenkunde Rudolf Steiners ergeben sich Erkenntnisse, wie sich beim heranwachsenden Menschen "Kopf, Herz und Hand" in gleicher Weise ausbilden lassen. Um dieses Ziel zu erreichen, sollen nicht nur Urteilskraft, sondern auch moralische und soziale Fähigkeiten ausgewogen entwickelt werden. Neben den üblichen intellektuellen Fächern wird deshalb auch eine Vielzahl künstlerischer und handwerklicher Fächer unterrichtet. Fähigkeiten, die sich ein Schüler z.B. in einem künstlerischen oder handwerklichen Fach erwirbt, befruchten auch die Arbeit auf anderen Gebieten und stärken seine gesamte Motivation.
Dieses Bildungskonzept reicht von der 1. bis zur 12. Klasse. Es erlaubt u.a. eine Stoffauswahl und Unterrichtsstruktur, die dem Schüler verschiedene Seiten der menschlichen Kulturentwicklung nahebringen.
Dies gilt z.B. für folgende Gebiete:
NAHRUNG - vom Ackerbau und Gartenbau bis zur Ernährungslehre;
KLEIDUNG - vom Stricken bis zum Weben und Schneidern;
WOHNEN - vom einfachen Hausbau über Schreinern zur Architektur;
GEISTESGESCHICHTE - von Märchen, Legenden und Mythologien sowie Biographien bis zur Geschichte der Neuzeit.
Entsprechendes gilt für die
KÜNSTE, WISSENSCHAFTEN UND RELIGIONEN.

Mit diesem Gang durch die Menschheitsentwicklung sollen in der Oberstufe auch das Verständnis für andere Völker und Kulturen sowie Handlungskompetenz für die Zukunft erarbeitet werden.
Der Lehrplan baut zudem auf den unterschiedlichen Entwicklungsstufen des Heranwachsenden auf, die sich z.B. äußerlich am Zahnwechsel ("Schulreife") und der Pubertät zeigen.
Entsprechend diesen großen Rhythmen führt der Klassenlehrer seine Schüler während der ersten acht Jahre. Er kann in dieser Entwicklungsphase die nötige feste Orientierung geben und zugleich zwischen sich, Schülern und Eltern einen engen Kontakt entstehen lassen. Gegen Ende dieser Phase öffnen sich die Schüler stärker der Welt und suchen die Vielfalt. Deshalb werden sie ab der 9. Klasse ausschließlich von verschiedenen Fachlehrern unterrichtet und von einem Klassenbetreuer begleitet.
Auch die Rhythmen von Jahr, Monat, Woche und Tag sind in das Leben der Schule eingegliedert.
In Epochen von 3 bis 4 Wochen Dauer wird täglich in den ersten beiden Stunden (Hauptunterricht) das gleiche Fach eines sachkundlichen, wissenschaftlichen oder künstlerischen Gebietes unterrichtet. Dieser Epochenunterricht erstreckt sich von der 1. bis zur 12. Klasse und wird bis zur 8. Klasse in der Regel vom Klassenlehrer erteilt.
Die üblichen, sich wöchentlich wiederholenden Fachstunden behandeln Lernstoff, der laufend geübt werden muss.
Allen Lehrern fällt die Aufgabe zu, ihren Unterricht so zu gestalten, dass in den Schulen die schöpferische Phantasie angeregt wird und sich ein breites Spektrum von Fähigkeiten entfalten kann.
Sowohl Klassenlehrer als auch Fachlehrer benötigen eine spezielle Ausbildung in Waldorfpädagogik. Hierzu werden - je nach Vorbildung - Studiengänge an verschiedenen Orten, zum Teil auch berufsbegleitend, angeboten. Auskünfte erteilt das Schulbüro.
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